Was ist Beratung?

Fast alle Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Situationen und Phasen mit besonderen Belastungen. Häufig treten diese Probleme in Zusammenhang mit kritischen Lebensereignissen auf wie beispielsweise Heirat, Geburt eines Kindes, Arbeitsplatzwechsel bzw. -verlust oder Trennung vom Partner. Menschen leiden in solchen Situationen an Ängsten und Ohnmachtsgefühlen, sie kämpfen gegen soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten und durchleben Partnerschafts- oder  Erziehungsprobleme. 

Manchmal ist professionelle Hilfe nötig

Eine besondere Beeinträchtigung der Lebenszufriedenheit kann durch Behinderung, Krankheit, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch entstehen. In vielen Fällen gelingt es den Betroffenen, diese Krisen allein oder mit Hilfe ihrer Partner, Freunde oder anderer Bezugspersonen zu überwinden. Manchmal jedoch wird es notwendig, einen fachlich qualifizierten Ansprechpartner zu Rate zu ziehen. Professionelle Berater und Beraterinnen haben ihre Kompetenzen durch eine spezielle Ausbildung erworben und arbeiten personen- und umweltbezogen, zielgerichtet und planmäßig. Sie stellen dem Ratsuchenden ihre Erfahrungen und Kenntnisse zur Verfügung und gestalten die Beratung durch persönliche Gespräche. Fachkräfte in der psychosozialen Beratung sind häufig graduierte Sozialarbeiter, Sozialpädagogen oder Psychologen. In vielen Beratungseinrichtungen arbeiten diese Berufsgruppen im Team zusammen.

Entstehung von Problemen verstehen

Wenn jemand eine Beratung in Anspruch nimmt, wird es dort zunächst immer um das ganz persönliche Erleben seiner Situation gehen. Vornehmliche Ziele von Beratung sind, die Entstehung der Probleme für den Beratenen besser verständlich zu machen, ihm damit zu neuen Einsichten zu verhelfen und ihn beim Finden eines passenden Lösungsweges zu unterstützen. Daneben richtet sich der Beratungsprozess daran aus, auf welche Weise der Ratsuchende seine Belastungen bislang zu verarbeiten versucht (hat) und welche Verhaltensänderungen als notwendig erachtet werden.

Individuelle Lösungen

Die Lösungswege sind immer individuell, denn jeder Mensch hat andere Lebensbedingungen und andere persönliche Fähigkeiten, die er zur Bewältigung seiner Probleme stärken und entwickeln muss. Beratung kann nicht für jemanden dessen Probleme lösen. Der Beratene muss selbst am Lösungsprozess mitarbeiten. Seine Selbsthilfekräfte sollen soweit gestärkt werden, dass er mit ähnlichen zukünftigen Belastungssituationen besser umgehen kann. Je nach Beratungsthema und Beratungsziel kann es z.B. nötig sein, dem Beratenen mehr Wissen über seine Rechte und Pflichten im Sozialrecht zu vermitteln oder ihm lebenspraktische Unterstützung zukommen zu lassen. Eine Mutter, die sich überlastet fühlt, kann sich beispielsweise bei einer Beratungsstelle über die für sie persönlich besten Möglichkeiten einer Kur intensiv beraten lassen und eine solche auch vermittelt bekommen. Dass in einem solchen Gespräch ebenso die Lebenssituation und die persönliche Befindlichkeit zur Sprache kommen, macht den Spannungsbogen vieler Beratungen zwischen Rechtsberatung und Lebensberatung deutlich. Beratung bedeutet demnach immer mehr als eine allgemein gehaltene Auskunft zu erteilen oder flüchtig Informationen zu vergeben. Dabei geht die Beratung im Allgemeinen nicht von medizinisch orientierten Krankheitsbegriffen aus. Menschen werden durch Beratung nicht „geheilt“, sondern der/die Ratsuchende muss über bestimmte Ressourcen verfügen können, die ihn befähigen, freiwillig und über Einsicht und Zustimmung an der Beratung teilzunehmen. Im Spannungsfeld zwischen rechtsstaatlich garantierter Freiheit des Einzelnen und der besonderen Fürsorgepflicht des Sozialstaates wird eine Beratung in manchen Bereichen vorgeschrieben oder angeordnet, z.B. in der Schwangerschaftskonflikt- oder Suchtberatung. 
Die psychosoziale Beratung, die sowohl das seelische Wohlbefinden als auch die sozialen Beziehungen zu den Mitmenschen einbezieht, ist keine Psychotherapie. Dies schließt jedoch nicht aus, dass Beratungsgespräche nicht auch therapeutische Wirkung haben könnten. In jedem Falle sind sie von professionellen Methoden der Gesprächsführung geprägt.

Hilfe für jeden

Beratung wird sowohl von Ämtern wie den Gesundheits- und Jugendämtern angeboten als auch von Kirchen, Vereinen, Verbänden und weiteren nicht-staatlichen Institutionen. In der Regel ist eine Beratung kostenfrei, für Gruppenangebote wird häufig ein Unkostenbeitrag erhoben. Alle Beratungsinstitutionen nehmen den Ratsuchenden unabhängig von seiner gesellschaftlichen, religiösen oder politischen Anschauungen an, entscheidend ist die Problemlage und die gewünschten und möglichen Ziele. Auch können im Beratungsprozess verschiedene Beratungsstellen miteinander kooperieren, um so den individuellen Bedarfslagen der Bertenen optimal entsprechen zu können. Die Beraterischen Fachkräfte sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Bei rein körperlichen Beschwerden ist es für die meisten Menschen selbstverständlich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Genauso selbstverständlich können Sie sich bei psychosozialen Problemen in den nachfolgend aufgeführten Einrichtungen Hilfe holen!

Bamberg, März 2011
 
Ursula Kundmüller
Referat Jugendhilfe, Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e.V.